Wir feiern Jubiläum: 10 Jahre LINGA Woche

Was ist eigentlich Einsamkeit? Dr. Oliver Huxhold vom Deutschen Zentrum für Altersfragen erklärt es so: „Einsamkeit ist das Gefühl, das entsteht, wenn meine objektiv vorhandenen sozialen Beziehungen nicht meine sozialen Bedürfnisse erfüllen.“ Rund 9 Prozent der 40-bis 85-jährigen in Deutschland sind betroffen.

Einsamkeit kann jeden treffen. Im Alter gewinnt daher das Quartier als Bezugs- und Handlungsraum besonders an Bedeutung, u.a. weil sich das Mobilitätsverhalten auf Grund der Berufsaufgabe verändert. Aber auch für weitere Bevölkerungsgruppen, wie Haushalte mit Kindern oder mobilitätseingeschränkte Personen, ist das Quartier wesentlich.

Ein Quartier kann als ein räumlich begrenztes Wohngebiet, wie ein Stadtteil, eine Gemeinde oder eine Siedlung begriffen und kommuniziert werden. Ein solches Quartier zeichnet sich zum einen durch eine bestimmte bauliche Struktur aus, durch infrastrukturelle Ressourcen, durch seine Lage innerhalb einer größeren Gemeinde oder Stadt. Zum anderen ist es aber auch durch die Menschen geprägt, die dort zusammen leben - sie verbinden mit dem Quartier ein überschaubares Gebiet, an dem man sich tagtäglich aufhält, sich begegnet, sich mit Produkten des täglichen Bedarf versorgt und seine Freizeit gestaltet. Die emotionale Bedeutung: Heimat – mein Zuhause!

Diesem Thema widmet sich die Landesinitiative Niedersachsen Generationengerechter Alltag im Rahmen der nunmehr zehnten studentischen LINGA Woche. In einer großen hochschulübergreifenden Kooperation werden in der Region Hannover innovative Konzepte entwickelt – unterstützt durch zwei niedersächsische Ministerien und in Zusammenarbeit mit regionalen Partnern. Trotz oder gerade aufgrund stadtnaher und infrastrukturell oft gut ausgestatteten Gemeinden in der Region gibt es eben auch hier die älteren Bürgerinnen und Bürger, die von Einsamkeit betroffen sind.

Im Rahmen der LINGA Woche vom 12.–17.5.2019 griffen rund 50 Studierende das Thema auf und entwickelten in interdisziplinären Teams neue Konzepte, Produkte und Dienstleistungen zur generationengerechten Teilhabe in die Nachbarschaft. Das Motto dabei lautete „Gemeinsam statt einsam – soziale Teilhabe im Quartier“.


Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile: Abschluss der 10. LINGA Woche

Die LINGA Woche 2019 „Gemeinsam statt einsam – soziale Teilhabe im Quartier “ endete mit einer erfolgreichen Abschlussveranstaltung. Zehn interdisziplinäre Gruppen präsentierten ihre Ergebnisse im Haus der Region. Der berühmte Satz von Aristoteles „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ stand dabei in diesem Jahr in vielerlei Hinsicht sinnbildlich für die LINGA Woche. Denn sowohl auf die Zusammenarbeit in den Gruppen als auch in der Umsetzung der zahlreichen Ideen für mehr Zusammenhalt im Quartier und die Überwindung von Generationengrenzen findet der Gedanke Anwendung. Er steht dafür, dass Menschen gemeinsam viel mehr erreichen können, dass aus der Kombination ihrer jeweiligen Eigenschaft letzten Endes noch viel mehr entstehen kann – etwas noch Größeres.

Dass dieser Satz aber auch ganz praktisch gedacht und umgesetzt werden kann, zeigte eine Gruppe mit ihrer Marketing-Idee für das Miteinander im Quartier. Mit einem Puzzle Teil soll die Identifikation zum eigenen Quartier hergestellt und gestärkt werden. Die Jury vergab für diese Idee den dritten Platz.  

Auf Platz zwei landet das Projekt „HERZensGUT“, eine Idee die „Gemeinsam statt einsam“ direkt in die Tat umsetzt. Wobei umsetzen das richtige Stichwort ist: Hier werden Menschen nämlich tatsächlich umgesetzt, damit im Restaurant der Zukunft niemand mehr alleine speisen muss. Geschultes Personal schafft Verbindungen und sorgt somit auch für einen Austausch der Generationen.

And the winner is...

Überzeugt hat die Jury letztlich ein höhenverstellbares Hochbeet. Das Beet ist mechanisch, schnell sowie stufenlos verstellbar und wird bereits fertig montiert geliefert. Dieser höhenverstellbare Kleingarten ist das einzige Beet, das für jedes Alter und jede Größe geeignet ist. In einem Moment kann eine Person im Rollstuhl die Fläche bepflanzen und gleich danach ein Kind das Beet ohne großen Kraftaufwand herunterkurbeln und die neuen Pflanzen gießen.

Dadurch bietet das Beet die Möglichkeit verschiedene Generationen zu verbinden. Auch Personen, die einen eigenen Garten aufgrund von Krankheit oder Behinderung nicht mehr bewirtschaften können, finden so einen Weg ihr Hobby weiterhin auszuüben und außerhalb ihrer eigenen vier Wände Kontakt mit anderen Personen zu knüpfen. Eine einfache und dennoch innovative Idee entschied die Jury.

Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke überreichte der erstplatzierten Gruppe ein Preisgeld in Höhe von 1500 Euro, welches zur Umsetzung der Idee genutzt werden kann. Platz zwei durfte sich über 1000 Euro freuen und die Drittplatzierten gingen mit 500 Euro ins Wochenende.


Die drei Gewinnergruppen

Platz 1

1. Platz (v. l.): Delia Balzer, Kira Krebs, Heike Schwentke, Lea Radke, Dr. Andrea Hanke, Silvia Schmiemann, Xinxin Du und Erik Anton (Foto: Philipp Westphal, Region Hannover)

Platz 2

2. Platz (v. l.): Christopher Lambrecht, Isabell Sander, Malte Ebeling, Dr. Andrea Hanke, Simon Schatkowski, Rebecca Streckert, Lisa Retkowsky und Delia Balzer (Foto: Philipp Westphal, Region Hannover)

Platz 3

3. Platz (v. l.): Alexandra Lotz, Constanze Konder, Dr. Andrea Hanke, Rainer Kirchgesner, Niklas Bäuerle, Johanna Hoek und Delia Balzer (Foto: Philipp Westphal, Region Hannover)

Alle Projekte auf einen Blick

Und auch abseits des Treppchens freut sich das LINGA Team über die vielen tollen Ergebnisse!