Fachtagung „Hackenporsche 3.0“ – gelungen und gut besucht!

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels standen die Themen „Versorgung und Mobilität im ländlichen Raum“ im Mittelpunkt der Fachtagung „Hackenporsche 3.0“. Die Landesinitiative Niedersachsen Generationengerechter Alltag (LINGA) und die niedersächsische Landesinitiative Mobilität (LIMo) hatten dafür am 28.Oktober 2014 gemeinsam in die Akademie des Sports nach Hannover eingeladen.

Insbesondere für das Flächenland Niedersachsen entstehen besondere Herausforderung für Versorgung und Mobilität im ländlichen Raum vor dem Hintergrund einer Gesellschaft des langen Lebens. Hierbei bedarf es Lösungen, von denen alle Nutzergruppen profitierten, egal ob jung oder alt. Neue Technologien, wie Assistenzsysteme, könnten hierbei unterstützen und helfen, jedoch sollte der Mensch dabei immer im Mittelpunkt stehen. Eine weitere Lösung könnten unterschiedliche mobile Dienste bieten, wie z.B. eine Mobilitäts-App oder ein neues Bedarfsbus-System. Handlungsbedarf bestehe vor allem in ländlichen Gebieten mit wenig Infrastruktur – bedingt durch sinkende Schülerzahlen und dem damit verbundenen allgemeinen Rückgang des Öffentlichen Nahverkehrs.

„Wir stehen vor massiven Veränderungen. 88 Prozent der Deutschen leben in Städten. Und vieles, was mit Blick auf den demografischen Wandel entwickelt wird, ist eher für Städte gedacht und geeignet. Im ländlichen Raum haben wir aber eine ganz andere Infrastruktur, bei der u.a. auch innovative Fahrzeuge multimodale Mobilitätskonzepte bedarfsgerecht ergänzen können“, sagte Matthias Brucke von der Landesinitiative Mobilität. Produkte und Dienstleistungen seien nicht an die Bedürfnisse älterer Menschen angepasst. Hier liege eine Vielzahl ungenutzter Potenziale, die innovativen Unternehmen neue Chancen eröffnen. „Mobilität bildet ein wichtiges Querschnittthema für das Flächenland Niedersachsen und wird daher seit Jahren auch durch die LINGA interdisziplinär begleitet, hierbei verstehen wir uns als Innovatoren und möchten für ein Design für Alle sensibilisieren. Ein schönes Beispiel hierfür seien die Ergebnisse der studentischen LINGA-Blockwoche „Der Nachwuchs forscht für das Alter“, so Delia Balzer von der LINGA.

Innerhalb der Fachtagung wurden daher die Themen technische Assistenzsysteme, Spezialfahrzeuge, Nahversorgung, Vernetzung und Nutzersicht unter die Lupe genommen und Daniela Behrens, Staatssekretärin im niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr gab einen Überblick auf politische Herausforderungen und Handlungsempfehlungen. Frau Behrens betonte in ihrem Grußwort, dass kluge Ansätze gefragt seien, die individuell auf die verschiedenen Regionen des Landes mit ihren jeweiligen Bedürfnissen anzupassen sind. Ein Beispiel dafür könnten Landesbuslinien sein, die ein landesweites Grundnetz vorhalten, die Erreichbarkeit der Regionen sichern sollen und damit eine Ergänzung zu den bereits vorhandenen Fernbussen und eine Alternative für das Schienen- und Straßennetz sein könnten. Voraussetzung dafür wäre allerdings eine bessere Verknüpfung der verschiedenen ÖPNV-Träger. Parallel dazu muss aber auch der Schienenverkehr sowie das Angebot des strassengebundenen ÖPNV ausgebaut werden.

Die Veranstaltung war mit rund 90 Teilnehmern aus Kommunen, Seniorenbeiräten sowie Wirtschaft und Wissenschaft gut besucht. Grund dafür waren sicherlich auch die besonderen Veranstaltungsmethoden wie Visualisierung durch „graphic recording“ von Tanja Föhr oder der kurze „Pecha Kucha“-Vortragsstil, die die

Teilnahme attraktiv machten. Acht Referenten und Referentinnen gaben Input, der im Anschluss während der Mittagspause an Thementischen mit dem Teilnehmerkreis diskutiert wurde. Die grafische Visualisierung durch Tanja Föhr können Sie jeweils hier einsehen, unter diesem Beitrag finden Sie zusätzlich alle Vorträge als pdf.

1. Sicherung der Mobilität auf dem Land

Dr.-Ing. Bernd Seidel/Verkehr & Logistik - Beratung und Umsetzung

Sicherung der Mobilität auf dem Land

2. eWALD – Elektromobilität im ländlichen Raum

Franz Gotzler/eWald

eWALD – Elektromobilität im ländlichen Raum

3. COMPAGNO- personalisierter Begleiter

Daniela Peukert/iAQ Institut für Assistenzsysteme und Qualifizierung e.V.

COMPAGNO- personalisierter Begleiter

4. mobiBeLa - mobile Betreuung auf dem Lande

Stefan Müller-Teusler/Paritätischer Wohlfahrtsverband Nds. e. V./Kreisverband Uelzen

mobiBeLa - mobile Betreuung auf dem Lande

5. GENIAALes Niedersachsen

Dr. Maik Plischke/Braunschweiger Informatik- und Technologie-Zentrum GmbH, BITZ

GENIAALes Niedersachsen

6. Mobility Map – Der beste Weg von A nach B

Simon Woker/Mobility Map

Mobility Map – Der beste Weg von A nach B

7. Ein Gewinn für ALLE – Genossenschaften

Hans-Wolfgang Richter/Genossenschaftsverband

Ein Gewinn für ALLE – Genossenschaften

8. Vom Hackenporsche zum City-Shopper

Thomas Bade/iF universal design

Vom Hackenporsche zum City-Shopper

8. Vom Hackenporsche zum City-Shopper

Neben diesen Fachvorträgen gab es einen Markt der Möglichkeiten mit neun zukunftsweisenden Projekten und Technologien, über deren Mobilitäts- und Versorgungsangebote die Teilnehmer in einer begleiteten Führung mehr erfuhren. Neben Best Practice Beispielen aus dem Bayerischen Wald zur Elektro-Mobilität von eWald oder dem DORV-Konzept aus Jülich, gab es auch niedersächsische Aussteller zu den Themen: „Klimaverträglich mobil60plus“ des VCD, dem neuen Nahverkehrsprojekt „moobil+“ aus Vechta, Forschungsprojekte „GENIAAL Mobil“ und InMoBS aus Braunschweig, der LINGA-Blockwoche „Der Nachwuchs forscht für das Alter“, einem Harzer Elektro-Scooter der Firma Tünkers Maschinenbau GmbH sowie der App „Mobility Map“ und dem Mobilitätsmanagementkonzept der EcoLibro GmbH.

Abgerundet wurde das Format durch fünf unterschiedliche Workshops, in denen sich die Teilnehmer vor dem Netzwerkgedanken in fast zwei Stunden intensiv mit Moderatoren und anderen Teilnehmern der Kleingruppe austauschen konnten, die sogenannten „Hackenporsches Planwerkstätten“:

a) Aktion Bürgerbus & Dorfladen moderiert durch Carsten Stimpel/mensch und region

Dieser Teilnehmerkreis betonte, wie wichtig es wäre, „Vertrauen zu schaffen“ – als Erfolgsfaktor bei der Initiierung von Bürgerbussen oder Dorfläden, kurz: „WIR-Gefühl vermitteln!“. Allerdings nutzt das größte Engagement vor Ort nichts, wenn nicht vorher der Bedarf geklärt worden ist. Hierzu gehörten auch Faktoren wie Ortsgröße, Rechtsgrundlage, (finanzielle) Unterstützung seitens der Kommune oder der Leidensdruck innerhalb der Bürgerschaft.

b) Mobilitätsmanagement Musterstadt moderiert durch Frank Tristram/ecoLIBRO

Beim Beispiel Musterstadt wurde das Thema Mobilitätmanagement parallel in zwei Kleingruppen mittels einem Rollenspiel, entsprechend der Originalfragen aus dem ADVANCE Audit für nachhaltige Urbane Mobilitätspläne, erarbeitet. Dabei schlüpften die Teilnehmer jeweils in die Rolle der unterschiedlichen Akteure, wie z.B. sperriger Verwaltungsangestellter, Bürgeraktivist oder umtriebiger Bürgermeister, um Dialogprozesse zu erproben.

c) Intelligente Versorgung im ländlichen Raum moderiert durch Dr. Benno Kotterba/servalink

Gleich vier Kleingruppen diskutierten, nachdem sie selbst Impulse für eine intelligente Versorgung im ländlichen Raum geliefert hatten. Wichtige Forderungen aus diesem Kreis waren: Gesetze lockern, um innovative Ansätze umzusetzen; die Würdigung des Ehrenamtes, das eine „Win-Win“ Situation für Bürger und Verwaltung darstellt; technische Lösungen die einfach und benutzerfreundlich sein müssen und dabei den Mensch durch flankierende Dienstleistungen in den Mittelpunkt stellen; Nutzungsbedingungen aufheben, z.B. ein Mittagstisch für Senioren in der Schulmensa; Treffpunkte für alle Generationen schaffen; Gründe für Leerstand und Wegzug eruieren, um darauf zu reagieren oder das türkische Dolmus-Bussystem zur Nachahmung.

d) Innovative Fahrzeuge moderiert durch Matthias Brucke/LIMo

Die Gruppe innovative Fahrzeuge war bunt gemischt aus Techniker und Nutzern. Nach einer intensiven Vorstellungsrunde wurde unter der Frage: „Wie möchte ich in Zukunft selber mobil sein“ diskutiert, wie Fahrzeuge, Konzepte aber auch Mobilitätssysteme in Zukunft aussehen könnten. Allen Beteiligten war klar, dass Mobilität bunter wird. Es wird individuelle Fahrzeuge für spezifische Mobilitätsbedürfnisse geben. Was sich genau durchsetzen wird hängt von der Einfachheit der Nutzung, den Kosten und den regulatorischen Aspekten ab.

e) Planspiel Kommune moderiert durch Tanja Föhr/ Agentur für Innovationskulturen

Die Gruppe befasste sich mit den Rahmenbedingen in Kommunen, die nötig sind, um eine partizipatorische sowie kooperative Haltung (ähnlich der Genossenschaft) bei Bürgern und kommune zu fördern. Neben einer Anlaufstelle für Freiwillige sollte diese auch Beratung und Qualifizierung vorhalten, um Projekte, wie z.B. Bürgerbusse, Wohnprojekte für Alt & Jung sowie Nachbarschaftshilfe im Quartier zu befördern, wozu neben Projektentwicklung und -begleitung auch die Schaffung von Strukturen und Finanzierungsmöglichkeiten besteht, um letztlich Teilhabe zu ermöglichen. Der Verweis an andere Fachberatungsstellen sollte insbesondere bei Altersarmut Ängste und Schwellen abbauen, indem z.B. durch Kampagnen und Öffentlichkeitsarbeit Bürgertreffpunkte genutzt werden.

Bei der abschließenden Diskussion mit den Präsentationen aller Ergebnisse aus dem Planwerkstätten wurde eines deutlich: die Bürger einer Kommune müssen frühzeitig in alle Entscheidungen einbezogen werden. Lösungen können nicht von oben verordnet werden, denn die Bürger sind diejenigen, die diese tragen und unterstützen sollen. Egal, ob Nahversorgungskonzepte, die Einführung von Bürgerbussen oder die Nutzung leerer Immobilien als Dorfmittel- und Treffpunkt für alle Generationen – der Nutzen für den Bürger muss in den Mittelpunkt rücken. Ideenwettbewerbe und Zukunftswerkstätten können hierbei das Interesse und Engagement wecken.

Veranstalter, Teilnehmer und Ministeriumsvertreter ziehen nach der Fachtagung eine positive Bilanz. Das Thema hat nach wie vor eine hohe Relevanz, sollte nicht nur von engagierten Seniorenbeiräten, sondern auch von anderen kommunalen Entscheidungsträgern sowie im Austausch von Wissenschaft und Wirtschaft wahrgenommen werden. Der Wunsch nach Fortführung dieses Veranstaltungsformats wurde auch in diesem Jahr wieder durch Teilnehmerkreis und Ministerien an die Initiatoren LINGA und LIMo herangetragen, vielleicht mit dem „Hackenporsche 4.0“ in 2015? Wir werden Sie rechtzeitig informieren!

Vorträge 2014

MobiBeLa - Mobile Versorgung & Betreuung auf dem Land

mobiBeLa_ppt_LINGA_28_10.pdf (76,8 KB)

Sicherung der Mobilität auf dem Land

14_07_28-SEIDEL-Mob_a_d_Land-fin.pdf (400,5 KB)

Ein Gewinn für ALLE - Genossenschaften

Ein_Gewinn_fr_ALLE_Genossenschaften.pdf (172,5 KB)

GENIAALes Niedersachsen

GENIAALes_Niedersachsen.pdf (2,1 MB)

COMPAGNO - Der personalisierte Begleiter

Hackenporsche_PechaKucha_COMPAGNO_DP.pdf (16,0 MB)

Mobility Map - Der beste Weg von A nach B

Mobility_Map_2.pdf (1,3 MB)

Thomas Bade - Mobilität

Thomas_Bade_Mobilität.pdf (9,1 MB)