Technik zum Erinnern – Studierende präsentieren frische Ideen für ein besseres Leben mit Demenz

Wie kann moderne Technik das Leben mit Demenz unterstützen? Mit dieser Frage haben sich 46 Studierende aus fünf niedersächsischen und einer niederländischen Hochschulen eine Woche lang in Hannover beschäftigt. Herausgekommen sind innovative Ideen gegen das Vergessen. Die drei besten wurden am 27. Mai 2016 von Niedersachsens Sozialstaatssekretär Jörg Röhmann ausgezeichnet.

Siegerfoto: (v.l.) Staatssekretär Jörg Röhmann, Antonia Tuksumskaa, Josephine Krenz, Paul Leander Schütte, Delia Balzer (LINGA), Leonie Marsman, Marie Schmidt, Cornelia Klaus (hannoverimpuls GmbH)

Initiiert wurde die Blockwoche von der LINGA unter dem Motto „Der Nachwuchs forscht für das Alter“. Gefördert wurde das Projekt vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr und der hannoverimpuls GmbH.

„Studierende verschiedener Fachrichtungen suchen in der Blockwoche nach Lösungen, die älteren Menschen das Leben erleichtern. Dieses Zusammenspiel verbindet Generationen, weckt den Erfindergeist und bietet den Studierenden die Chance, ihre theoretischen Kenntnisse einmal in die Praxis umzusetzen“, betont Staatssekretär Jörg Röhmann. Wirtschaftsstaatssekretärin Daniela Behrens sagt: „Der demografische Wandel stellt unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, dass wir uns gemeinsam und vor allem auch interdisziplinär Gedanken darüber machen, wie wir diesen Herausforderungen begegnen können. Die LINGA-Blockwoche fördert genau dieses vernetzte Denken und Arbeiten und schafft es immer wieder, überraschende und generationengerechte Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.“

Die Studierenden arbeiteten in hochschulübergreifenden, interdisziplinären Teams an zukunftsrelevanten Themen im Hinblick auf den demografischen Wandel. Das fachliche Spektrum der Teilnehmer reichte in diesem Jahr von Software Technik über Gerontologie und Medizininformatik bis zu Assistiven Technologien, Physiotherapie und Gestaltung. Thematisch war die Blockwoche bunt aufgestellt: Die Studierenden konnten mit dem Alterssimulationsanzug der Wolfsburg AG testen, wie es sich anfühlt, fünfzig Jahre älter zu sein. Außerdem gab die Landesagentur Generationendialog die Möglichkeit zum Austausch zwischen Jung und Alt. Besonders spannend war auch die Tagesexkursion, bei denen die Teilnehmenden verschiedenste regionale Akteure aus den Bereichen Betreuung und Therapie Demenzkranker sowie Anbieter aus dem eHealth-Bereich kennen lernen konnten.

„Bereits zum siebten Mal haben uns der Einsatz und die Kreativität des wissenschaftlichen Nachwuchses bei unseren LINGA-Blockwochen tief beeindruckt“, sagt Delia Balzer von LINGA. „Unser Konzept der interdisziplinären Entwicklung neuer Produktideen ging in Stadt und Region Hannover voll auf. Das Spektrum reicht von einem Sensor, der die Nutzerinnen und Nutzer beim Verlassen des Hauses an vergessene Gegenstände erinnert, über ein intelligentes, mobiles Beleuchtungssystem zur besseren Orientierung im Haus bis hin zu verschiedenen Apps, die mittels Video, Foto oder Musik die vielleicht bereits verloren gegangenen Emotionen hervorrufen und die Kompetenzen von Menschen mit dementieller Veränderung stärken.“

Neben der Technischen Universität Braunschweig, der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim, der Universität Vechta, der Jadehochschule Oldenburg sowie der Hochschule21 aus Buxtehude beteiligte sich auch die Windesheim University aus Zwolle/Niederlande an dem bundesweit einzigartigen Projekt. Die von einer Fachjury ausgewählten Gewinnerkonzepte wurden jeweils von der hannoverimpuls GmbH mit einem Preisgeld ausgestattet. Ob die Ideen auch in die Realität umgesetzt werden können, wird die niedersächsische Förderbank NBank im Anschluss prüfen.

Quelle: Pressemitteilung des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung vom 27. Mai 2016

 

Platz 1: ROSI-Karte, die Regionale Orientierung für Senioren-Inklusion

Preisgeld: 750 Euro, gestiftet von der hannoverimpuls GmbH

Die ROSI-Karte ist eine bedarfsgerechte Broschüre mit Informationens rund um ein spezielles Krankheitsbild (Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen, Ärzte o.ä.) und die dazugehörige Internetplattform. Die ROSI-Karte soll der Informationsflut und dem Überangebot von Broschüren begegnen.

Ein Projekt von:

  • Josephine Krenz, Universität Vechta, Fachrichtung Gerontologie
  • Leonie Marsman, Windesheim University, Fachrichtung Gerontologie
  • Antonina Tuksumskaa, HAWK, Fachrichtung Gestaltung
  • Marie Schmidt, Jade Hochschule, Fachrichtung Assistive Technologien
  • Paul Leander Schütte, Technische Universität Braunschweig, Fachrichtung Wirtschaftsinformatik

 

Platz 2: GuideLight – der Leuchtturm für jedes zu Hause

Preisgeld: 500 Euro, gestiftet von der hannoverimpuls GmbH

GuideLight ist ein Intelligentes und mobiles Beleuchtungssystem, damit sich jeder auch in der Fremde wie zuhause fühlen kann. Durch Farbgebungen, die in den jeweiligen Räumlichkeiten installiert werden, können auch fremde Räume (wieder-)erkannt werden. Dadurch werden Sicherheit und Autonomie geschaffen.

Ein Projekt von:

  • Frank Becker, Jade Hochschule, Fachrichtung Assistive Technologien
  • Hendrik Matthies, Hochschule 21, Fachrichtung Physiotherapie
  • Koen Oortgiesen, Windesheim University, Fachrichtung Informations- und Kommunikationstechnologien
  • Lisa Othmer, Universität Vechta, Fachrichtung Gerontologie
  • Kristine Wachtel, HAWK, Fachrichtung Gestaltung

 

Platz 3: Memo – Denk an mich...

Preisgeld: 250 Euro, gestiftet von der hannoverimpuls GmbH

Durch die „unsichtbare“ Technologie, die im Hintergrund tätig ist, wird der Nutzer beim Verlassen des Hauses/Wohnung an die von ihm zuvor gekennzeichneten Gegenstände erinnert, wenn er eben diese nicht dabei hat (durch Ton- oder Lichtsignal).

Ein Projekt von:

  • Mark Adolph, Jade Hochschule, Fachrichtung Assistive Technologien
  • Alina Naujoks, HAWK, Fachrichtung Gestaltung
  • Mona Pfaffenbach, Hochschule 21, Fachrichtung Physiotherapie
  • Catalin Waack, Technische Universität Braunschweig, Fachrichtung Informatik
  • Hassan Zada, Windesheim University, Fachrichtung Gerontologie